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JIB-O-DOKU: Ein Blick hinter die Fassade des Urban Jibbings mit der MOG Production

13:16 8th February 2012 by Felix Krüger
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Sie dürfen in keinem Snowboard-Film oder -Magazin fehlen: die Urban Jibs. Für einen Jib-Shot muss man aber mehr tun, als nur irgendwo irgendein Geländer runterzusliden. Der geeignete Spot will erst einmal gefunden und auf seine Shred-Tauglichkeit überprüft werden. Dann müssen Anfahrt, Obstacle und Landung vorbereitet und ausgeleuchtet werden, bevor der Spot zu guter Letzt endlich gejibbt werden kann. Dass auf einem City-Rail-Trip nicht immer alles reibungslos läuft, musste im vergangenen Winter die Mog-Crew erfahren. Als der Schnee im Dezember 2010 in den Alpen auf sich warten ließ, drehte die aus den Alpen stammende Crew den Spieß um und Fotograf Michael Obex, Mog-Production-Filmer Martin Venier und die Fahrer Sebi Geiger, Flo Achenrainer, Mario Wagner und Robert Dangl machten sich auf in den hohen Norden nach Helsinki, der Jib-Hauptstadt Europas. Eine Auswahl der Spots und Shots, die die Crew in der finnischen Hauptstadt in Angriff nahm, bekommt ihr hier mit einigen Tipps und Tricks zum richtigen City-Jibben geliefert. Wer die Bewegtbilder zu den Fotos sehen und den Unterschied der Wirkung von Film zu Foto vergleichen möchte, kann sich „The Reality“ hier kostenlos reinziehen.

TEXT: LARS BÄRENFÄNGER
FOTOS: MICHAEL OBEX

BENÖTIGTES EQUIPMENT
Da es kaum Spots gibt, die nur darauf warten, gejibbt zu werden, muss man vor Beginn der Session einige Arbeit an der Anfahrt, dem Takeoff, eventuell sogar dem Rail oder der Wall und der Landung verrichten. Auch die Frage, wie man auf die nötige Geschwindigkeit kommt, um zum Beispiel das Rail zu clearen, muss man sich stellen. Welches Equipment ihr für eine erfolgreiche Jib-Session benötigt, haben wir euch hier zusammengestellt:

1. Je nachdem wie viel Equipment man mitschleppen kann, sollte man gute Schaufeln – am besten aus Metall – mitnehmen. Schnee- und Gartenschaufeln stehen meist in Papas Garage (bzw. gibt’s im Baumarkt schon ab 15 Euro) und eine Lawinenschaufel (hier: K2 „Rescue Shovel Plus“, 74,95 Euro) sollte eh jeder Snowboarder besitzen.

2. Damit Fahrer und Filmer auch sehen, was passiert, muss der Spot genügend ausgeleuch- tet werden. Da Kerzenlicht nicht ausreicht, benötigt man Strom. Diesen erzeugt man mit einem Stromgenerator. Generatoren können in jedem Baumarkt gekauft werden. Kleine Mo- delle gibt es schon ab 70 Euro, der hier abgebildete Generator kostet circa 200 Euro.

3. Je mehr man den Spot oder im Hintergrund befindliche Objekte ausleuchten möchte, desto mehr und stärkere Lichtquellen braucht man. Am besten eignen sich Halogenleuchten bzw. -fluter. Diese gibt’s mit Tragegestell oder mit Stativ bereits ab 10 Euro.

4. Vielleicht ist es nicht ganz legal, fremdes Eigentum „zu optimieren“, aber hat man das perfekte Rail gefunden und es steht irgendwo ein Winkel ab, muss man sich den Weg halt frei feilen. Reicht eine grobe Feile (ab ca. 5 Euro) nicht aus, muss man zur rabiaten Methode greifen und die Flex auspacken. Billige, aber für dieses Vorhaben vollkommen ausreichende Modelle kosten gerade mal 25 Euro.

5. Bist du Technik-Freak und willst lieber klotzen statt kleckern, ist dieses Baby genau das richtige Spielzeug für dich. „The Avalanche“ von Neverride ist eine Seilwinde speziell für den Schnee und City-Jibs entwickelt. Sie katapultiert dich im Nu auf bis zu 75 km/h und hat eine erweiterbare Seillänge von 250 Metern. Die Räder können auch mit Schneekufen ergänzt werden. Leider ist der Spaß nicht ganz billig und kostet 4.500 Schweizer Franken. Alle weiteren Infos auf www.neverride.com.

6. Mit dem 5 Kilogramm leichten „Banshee Bungee“ wird jeder Spot shred- und jib-tauglich gemacht. Das neun Meter lange Bungee-Seil lässt sich auf über 40 Meter stretchen und bringt dich auf bis zu 55 km/h. Im Package sind das Bungee-Seil aus vulkanisiertem Latex, eine Befestigungsleine aus Nylon, der Griff und ein praktischer Tragerucksack enthalten. Das „20-Fuß-Package“ kostet 279,95 Euro. Weitere Infos unter www.bansheebungee.com.

7. Die selbst gebaute Anfahrtsrampe ist in Zeiten von Bungee-Seil und Winch zwar ein Aus- laufmodell, aber der absolute Klassiker, wenn es darum geht, in der flachen Stadt genügend Speed für ein Rail oder Gap zu bekommen. Mit ein bisschen Tüftlergeist und Kreativität ist so ein Ding innerhalb von zwei Stunden gebaut. Die Materialien findet ihr vielleicht sogar in Papas Keller oder neu im Baumarkt und kosten euch nicht mehr als 150 Euro.

DIE SKULPTUR

Diesen Spot hat die Crew jeden Tag im Vorbeifahren aus dem Auto gesehen. Die Skulptur steht in einem kleinen Park in der Nähe des Parlamentsgebäudes. Obwohl die Skulptur selbst zum Kicker umfunktioniert wurde und kein Takeoff mehr gebaut werden musste, nahm die Vorbereitungszeit gut eine Stunde in Anspruch. Da der Schnee rund um die Skulptur fast kniehoch war, musste eine Gasse für die Anfahrt frei geschaufelt werden. Den aus dem Weg geräumten Schnee schütteten die Jungs noch zusätzlich in die Landung, damit die Flat Bomb doch etwas abgefedert würde. Ein weiteres Problem war die Anfahrtsgeschwindigkeit: Durch die enorme Kälte pappte der Schnee massiv und so musste sich Fotograf Michael im nahe gelegenen Friseursalon zwei Eimer Wasser organisieren, um die Anfahrt eisig und so schneller zu machen. Das „Banshee Bungee“ wurde wie im Bild zu sehen an einem anderen Pfeiler der Skulptur befestigt. Da die Anfahrt gut 40 Meter lang war, musste das Bungee-Seil von vier Leuten angezogen und zum am Ende des Inruns sitzenden Fahrer gebracht werden.

DIE BRAUEREI

Dieses Rail hat die Crew bereits am ersten Tag entdeckt, und da noch absolut keine Jib-Spuren zu finden waren, schien es, als ob das Rail bisher von Snowboardern verschont wurde. Diese Schonzeit war nun aber vorüber. Da das Rail sehr steil war, keinen wirklichen Inrun besaß und ein erhöhtes Verletzungsrisiko aufbot, wagten sich Sebi und Flo erst am letzten Tag des Trips an die Bearbeitung. Für die Fahrer stellte der Inrun das größte Problem dar: Die Treppe aus Gitterstufen endet oben auf einer Art Gitter-Plateau, auf dem der Schnee aufgrund der Löcher im Gitter nicht richtig liegen blieb, weshalb keine Möglichkeit zur Anfahrt bestand. Zufälligerweise lagen in der Nähe einige Holzpaletten, die, wie man im Bild sehen kann, zur Anfahrt und zum Takeoff umfunktioniert wurden. Die Vorbereitungsdauer hierfür lag ebenfalls bei gut einer Stunde Schaufelzeit. Aber nicht nur die Fahrer, auch Fotograf und Fil- mer hatten ihre Probleme an diesem Spot: Die Backsteinwand der ehemaligen Brauerei war zwar schon ein gut aussehendes Motiv, jedoch sollte ein 30 Meter hoher Schornstein dem Bild den nötigen Schliff verpassen. Hätte Michael aber den Schornstein im Bild haben wollen, wäre der Fahrer zu klein gewesen.

DIE WAND

Den Wallride entdeckte die Crew im Hafen Helsinkis bei einer Pinkelpause, während sie eigentlich einen benachbarten Spot an einer Baustelle auschecken wollten. Da es einen langen und auch leicht abschüssigen Inrun neben der Mauer gab, musste nur ein kleiner Kicker gebaut werden, was gerade einmal 20 Minuten dauerte. Zur Stabilität wurde eine Holzpalette unter den Takeoff integriert. Fleißarbeit musste nur an der Landung verrichtet werden, da diese nach jedem Einschlag wieder neu aufgeschaufelt werden musste. Da der Inrun dennoch nicht steil genug war, um genügend Speed für den Wallride zu ge- nerieren, wurde wieder das Bungee-Seil zur Hilfe genommen. Dieses wurde an einer Laterne festgemacht, neben der sich auch Fotograf Michael positionierte. Seine Position wäre ihm fast zum Verhängnis geworden, da das Seil nach dem Loslas- sen durch den Fahrer genau in seine Richtung schleuderte und ihm mehrmals fast die Kamera aus der Hand schoss.

INTERVIEW: MICHAEL OBEX

Worauf achtest du bei der Suche nach einem Jib-Spot?

Es ist schon im Vor-feld sehr wichtig, sich zu überlegen, wohin der Rail Trip gehen soll und wie die Schneeverhältnisse vor Ort sind. Wenn man mit dem Auto unterwegs st, kann man sehr spontan sein. Wenn man jedoch per Flugzeug anreist, sollte man sich davor bei Locals und im Internet informieren. Die Wahl des eigentlichen Spots ist dann immer ein Spagat zwischen den Vorstellungen der Media-Leute (Filmer, Fotograf) und denen der Rider. Nur allzu oft sind die richtig spaßigen, aber meist kleinen Spots fotografisch schwer umzusetzen. Ich persönlich lege bei der Auswahl des Jib-Spots meistens den Fokus darauf, dass der Spot nicht allzu bekannt und sozusagen schon totgeshootet ist. Und Spaß für die Fahrer soll das Ding ja auch noch machen.

Was muss ein Spot bieten, um interessant zu sein?
Die Lage des Spots ist sehr wichtig. Da es die Ordnungshüter nur in den seltensten Fällen gerne sehen, wenn man Straßen oder Gehwege als Anfahrt oder Landung missbraucht, ist man gut beraten, den Zeitpunkt des Shoots gut zu wählen, um nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Als Fotograf ist es auch immer besonders interessant, grafische bzw. architektonische Elemente ins Bild mit einzubeziehen. Man muss sich die Zeit nehmen und den Spot auf sich wirken lassen, etwas herumgehen und überlegen, aus welcher Perspektive zum Beispiel das Rail oder die Wall am höchsten, weitesten bzw. massivsten aussieht. Die Tageszeit, zu der man fotografiert, spielt auch eine besondere Rolle: Man muss mit dem natürli- chen Lichtbedingungen zurechtkommen und kann versuchen, damit zu spielen. Das kann zum Beispiel eine besondere Lichtstimmung während des Sonnenaufgangs oder -untergangs sein. Macht man den Spot in der Nacht, kann man das Kunstlicht gezielt einsetzen und somit Elemente im Bild hervorheben bzw. abschwächen. Man sollte sich auch gut mit den Ridern absprechen, welche Tricks möglich sind.<

Welches Werkzeug sollte man dabeihaben?
Gute Schaufeln, am besten in verschiedenen Größen und Ausführungen! Salz und Wasserflaschen, um die Anfahrt schnell zu machen. Und da wir bei unserem Trip nach Finnland ausschließlich in der Nacht unterwegs waren, kamen wir um einen Generator nicht herum. Benzinkanister nicht vergessen und genügend Bauleuchten einpacken, um den Spot, die Anfahrt und die Landung gut auszuleuchten. Als Fotograf sollte man neben dem üblichen Equipment wie mehreren Blitzen genügend Ersatz-Akkus einpacken, da diese bei einer Temperatur von -20 °C wie in Finnland nicht gerade lang halten. Plastiktüten sind immer gut, damit man sein Equipment vor Nässe schützen kann. Stabiles Klebeband und ein Verbandkasten können aber auch nicht schaden.

Wie schafft man es, unbemerkt zu bleiben, so dass man keinen Ärger bekommt?
Am besten nicht allzu viel Wind machen. Man sollte versuchen, leise zu sein und auch gestandene Tricks nicht mit großem Jubel zu feiern. Genera-tor und Licht wirklich erst einschalten, wenn es mit dem Shooting losgeht. Leider sind die Ordnungshüter nicht überall so freundlich und geduldig wie in Finnland. Anderswo empfiehlt es sich, seine Speicherkarten schnell in Sicherheit zu bringen, wenn die Jungs in Grün anrücken.

Was ist die beste Ausrede, wenn die Polizei oder Security auftaucht?
„Was? Man darf hier nicht snowboarden? Wo wir herkommen, machen das alle so!“ Mit Glück darf man dann noch ein bisschen weitermachen. Um aber Ärger zu vermeiden, sollte man kooperativ sein und sein Zeug schnellstmöglich zusammenpacken.

Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Spot-Auswahl bei Fotografen und den Fahrern?
Auf jeden Fall! Wir Fotografen und Filmer trauen den Ridern im Allgemeinen dreimal höhere Drops, längere Rails und schwierigere Tricks zu, als deren Knien lieb ist. Beide Parteien müssen sich einander anpassen. Es ist auch wichtig, dass sich Fotografen und Filmer gut absprechen, um sich nicht andauernd gegenseitig im Weg zu stehen. Auch das Blitzlichtge- witter des Fotografen kann den Shot des Filmers ruinieren.

Wie findet ihr eure Spots und wie bereitet ihr sie vor?
Normalerweise reden wir vorher mit den Locals über die Verhältnisse und die Spots vor Ort. Den einen oder anderen Spot kennt man meist schon aus Snowboard-Videos, wobei das nur Orientierung sein kann, da es ja darum geht, sein eigenes Ding durchzuziehen und nicht andere zu kopieren. Das Besondere im Snowboarden und besonders im Street-Snowboarden ist doch die Kreativität. Man kann zwar einige Spots auch per Recherche auf Google Street View finden, aber die meisten haben wir selbst gesucht und sind dazu stundenlang durch die Stadt gecruist.

Hattet ihr vor dem Trip nach Finnland bestimmte Erwartungen und Hoffnungen?
Klar, wir wollten nicht nur Street-Rails shooten, sondern auch den einen oder anderen kreativen Spot shredden. Dazu muss man seine Augen offen halten und sich mit Fahrern und Filmern absprechen, was diese gerne machen würden. Wir hatten eigentlich vor zwei Spots pro Tag zu machen. Das bedeutet, dass man nicht nur zum Spaß durch die Gegend fährt, sondern die wenigen Sonnenstunden im Winter in Skandinavien voll ausnutzt, um Spots zu finden und diese dann nacheinander zu clearen. Viele Leute denken immer noch, dass solch ein Snowboard-Trip wie Urlaub ist. Dem ist aber nicht so! Solch ein Trip ist ganz schön anstrengend.

Was waren die größten Probleme auf dem Trip nach Finnland?
Die Kälte! Obwohl wir mit tiefen Temperaturen gerechnet hatten, war es dann schlussendlich noch viel kälter als erwartet. Bei -25 °C muss man gut darauf achten, dass Equipment und Akkus immer schön warm bleiben. Als Fotograf sind natürlich auch die kalten Finger immer ein Problem. Aber: Es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Ausrüstung!

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